Rund um den Mauritiuskirchplatz und die angrenzenden Straßen, also im engeren Mauritiusveedel, wollen wir gerne Bildertafeln anbringen, die Ansichten des Viertels aus vergangenen Zeiten darstellen.
So ein Bild könnte auf eine Acrylglasplatte (30 x 50 cm) aufgezogen werden. Das Glasbild wird an vier Halterungswinkel geschraubt, die an zwei Moniereisenstäben (20 mm, 170 cm hoch) angeschweißt sind. Diese Befestigung erlaubt es, das Bild bei Beschädigung auszutauschen. Die Moniereisenhalterung bliebe bestehen und könnte immer wieder verwendet werden. Moniereisen wurde gewählt, weil es ein preisgünstiges Baumaterial ist, das einen großen Wiedererkennungswert hat. Es wird mit der Zeit rosten und dadurch entsteht ein schöner Kontrast zum angeschraubten Acrylglas. Die Moniereisenträger können leicht mit Beton im Boden befestigt werden.
Auf QR- Codes, die ebenfalls auf der Bildtafel angebracht werden, könnten weitere audiovisuelle Informationen direkt über das Smartphone in Bild und Ton abgerufen werden. Durch diese Informationstexte, zusätzliche Bilder und Anekdoten wird Die Geschichte dieses Ortes wird in Wort und Bild lebendig und direkt zugänglich.
Dem Betrachter erschließt sich ein neuer Blick auf das Viertel rund um die Kirche. Der Blick in die Vergangenheit eröffnet neue Perspektiven auf das heutige Bild und regt zum Nachdenken zur Auseinandersetzung an.
Wer den Ort so erlebt, identifiziert sich mit ihm auf eine ganz neue, intensivere Art. Er wird verweilen, sich anregen lassen, sich kritisch mit der Gegenwart und ihrer Vergangenheit befassen. Er wird aus erweitertem Blickwinkel darüber nachdenken, welchen Wert Menschen in verschiedenen Zeitaltern diesem Ort beigemessen haben.
Für einige Bilder haben wir bereits die Copyright-Rechte erwerben können. Wir bedanken uns beim Rheinischen Bildarchiv und beim Greven-Archiv für die freundliche Unterstützung.
Weiter unten schon einmal ein paar Beispiele für Bilder und Informationstexte.
P.s.: Wir freuen uns sehr, wenn wir aus der Nachbarschaft ungeahnte Schätze für das Projekt zur Verfügung gestellt bekommen.
Die Bilder werden nur digitalisiert, das Original bekommt ihr zurück. Bitte wendet euch dafür an mauritiusveedel @ gmail.com !
1947 Blick von der Hahnestraße, Schaafenstraße in den Rinkenpfuhl
GrevenArchiv B60 0008721B60_0008344_r.tif, Greven-Archiv
Die gleiche Kreuzung wie im Bild unten. Marsilstein, Ecke Rinkenpfuhl. Nicht ganz 40 Jahre und zwei Weltkriege später. Ruinen, Trümmer, Schutt - Köln ist am Boden zerstört, alles ist kaputt und die Stadt - so, wie sie einmal war - existiert nicht mehr.
Das Foto könnte im Jahre 1947 aber auch früher, vielleicht 1946 entstanden sein, ein unbekannter Fotograf hat es aufgenommen. Es kann nicht exakt datiert werden.
Das Foto ist sehr grobkörnig und ein wenig unscharf. Wir schauen in den Marsilstein hinein, in Richtung Lungengasse und Neumarkt. Sieht nach einem regnerischen Novembertag aus. Es ist kalt und nass und die Schuttberge häufen sich am Straßenrand.
Ein Arbeiter arbeitet an der Infrastruktur, vielleicht an den Wasserleitungen, die unter der Schaafenstraße verlaufen. Seinen Handkarren, mit dicken Holzbalken beladen, hat er vor dem Schuttberg „geparkt“. Diese Handkarren waren sehr verbreitet in dieser Zeit. Mein Großvater, war Malermeister in Worringen und schob ihn (oder ließ ihn eher vom Lehrling schieben), beladen mit Farbeimern und Werkzeug zu seinen Kunden. Und die gleichen Karren waren Verkaufsstände für die vielen mobilen Obst- und Gemüsehändler überall in Köln.
Der Fotograf muss auf der Schaafenstraße gestanden haben, als er das Bild aufgenommen hat. Auf der linken Bildseite mündet die Hahnenstraße in den Marsilstein ein. Dort verlaufen die Straßenbahnschienen, die auf dem Bild allerdings nicht zu sehen sind. Erst später wurde die Hahnenstraße zur Verbindungsstraße zwischen Neumarkt und Rudolfplatz.
Dort, wo die Gaststätte Hans Malzkorn einst stand (vor dem Krieg betrieb dort Heinrich Keunecke seine Schankwirtschaft), steht heute das Hostel Köln. Das prachtvolle Wohnhaus an der Ecke Am Rinkenpfuhl und Marsilstein wurde von den Bomben zerstört. Ein traurig stimmendes Bild und gleichzeitig kündet es vom Wiederaufbau der zerstörten Stadt.
Fritz Zapp (1892-1960) ist der Fotograf dieses Bildes, das den Betrachter magisch in diese Straßenszene hineinzieht. (RBA 720072)
Der Marsilstein im Mauritiusviertel an der Einmündung Am Rinkenpfuhl um 1910 bis 1915. Die genaue Datierung ist dem Rheinischen Bildarchiv (RBA) nicht möglich. Wir wissen somit auch nicht, ob das Bild vor oder schon in den Zeiten des Ersten Weltkrieges entstanden ist. Auch die Jahreszeit ist nicht genau zu bestimmen. Immerhin tragen die Bäume ganz hinten Ende der Straße Am Rinkenpfuhl noch oder schon Laub. Und genauso unbestimmt ist die Tageszeit. Wir schauen am Transportwagen, der von Pferden gezogen wurde, vorbei in die Straße Am Rinkenpfuhl. Viele Menschen sind unterwegs. Es herrscht helles Tageslicht, nach dem Schattenwurf zu urteilen, steht die Sonne im Westen, also könnte es Nachmittag sein und die Menschen gehen ihrem Alltag nach. Autos? Fehlanzeige, man ist zu Fuß unterwegs, „gut behütet“ in Hut und Mantel. Geradeaus, im weiteren Verlauf der Straße sehen wir die Pfarrkirche "St. Mauritius".
Die Straßenbahnlinie führt gemäß dem früheren Straßenverlauf von der Hahnenstraße (die zu dieser Zeit noch nicht direkt vom Neumarkt zum Rudolfplatz führte) auf den „Marsilstein“. Im Vordergrund rechts mündet die „Schaafenstraße“ in die Kreuzung.
Einmündung Am Rinkenpfuhl, Ecke Schaafenstraße 13, Straßenseite: Wo heute das italienische Restaurant „La Piazetta“ seinen Platz hat, gingen die Menschen zu jener Zeit in die Dampfbrennerei(?) „Kornbrenner“, einem Brauhaus von Friedrich Winter (1843-1913), einem der großen Kölner Brauer jener Zeit.
Auf der linken Straßenseite ist heute das "Hostel Köln" zu finden. 1912 befand sich dort die Schankwirtschaft von Heinrich Keunecke.
Daneben hat das Einzelhandelsgeschäft „Holbutko“ sein Schaufenster dekoriert. Hierbei handelt es sich um die Holländische Butter-Compagnie Ackermann & Co. Vorm Eingang haben zwei Buben die Kamera längst entdeckt und schauen gebannt ins Bild, während ein Herr interessiert die Auslagen studiert.
Folgen wir dem Straßenverlauf, stehen wir vor der Verkaufsstelle der Rheinischen Brotfabrik.
Mitten auf der Fahrbahn schaut ein Passant ziemlich unschlüssig auf das Haus Nummer 29. Oder wartet er auf die Bahn und hält Ausschau nach ihr? Weiter daneben, mit den Hausnummern 29 (nicht im Krieg zerstört) und 27, ist heute das „Maison Marsil“ ansässig, eine Boutique und Hotel & Event Location. Welches Geschäft im Jahre 1912 dort, die Kunden anzog, ist auf dem historischen Foto von Zapp leider nicht mehr erkennbar.
Erkennbar ist wiederum das Geschäft in Hausnummer 27: „Landwirtschafts- und Gemüseladen Heinrich Winter. Gärtnerische Bedarfsartikel & Futtermittel“ wurden hier angeboten. Viele hoch spezialisierte Geschäft sind auf diesem kleinen Straßenausschnitt zu erkennen. Und so wird es in den umliegenden Straßen weitere Geschäfte dieser Art gegeben haben. Bäcker, Metzger, Handwerker, kleine Dienstleistungen – alles auf engstem Raum.
Das Bild einer lebenswerten Stadt und eines liebenswerten Viertels, mit Menschen, die einer schweren Zeiten entgegensahen.
Alternativtext zum Bild:
St. Mauritius in Köln – der ‚kleine Dom’ in Köln.
Diese lavierte Federzeichnung zeigt die neugotische Kirche Sankt Mauritius im Jahre 1857 in der Vorstellung des Erbauers Vincenz Statz. Die Bauarbeiten dieser Kirche begannen 1861. Bei seiner Vollendung, 1866 wurde das Kirchengebäude als „kleiner Dom“ gefeiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört.
1956 bis 1957 wurde die Kirche nach den Plänen des Architekten Fritz Schaller neu erbaut, der noch erhaltene Teile der Kirche mit dem Neubau zusammenfügt. Neu ist jetzt der fächerförmige Gemeindesaal, der den erhaltenen neugotischen Chorbereich integriert. Der Westturm mit dem Haupteingang ist durch einen Kirchengarten vom Kirchengebäude getrennt. Neues und Altes vermischen sich zu einem harmonischen Kirchengebäude.